Gedichte des VHS München Kurses


Vater
September 13, 2007, 8:02 Uhr nachmittags
Gespeichert unter: Familiengedichte, Uncategorized

Ich kenn Dich nicht
Und werd Dich nie kennen.Wären wir Freunde geworden
Wir werden es nie wissen

Ich hab Dich nie vermisst
Und hoff Du mich auch nicht

So gehen wir unsres Weges
Jeder still und allein für sich

Sollten wir uns einmal treffen
Werden wir uns nicht kennen

Dies sind meine Erinnerungen an Dich
Vielleicht nicht viel, doch genug für mich.

-Niklas Stepper



Erinnerung II
September 13, 2007, 7:56 Uhr nachmittags
Gespeichert unter: Ich erinnere mich-Gedichte, Uncategorized


Ich erinnere mich der schwülen Julihitze
Ich erinnere mich an die ungeduldigen Menschen im Zug
Ich erinnere mich, wie ich in der Zugtoilette meine Reisekleidung gegen einen dunklen Anzug vertauschte
Ich erinnere mich an die hektische Taxifahrt zum Friedhof
Ich erinnere mich an das jämmerliche Gejaule der elektrischen Orgel
Ich erinnere mich des gabelschwänzigen Milans, der über den Gräbern kreiste
Ich erinnere mich der Witwe im hüfthoch geschlitzten schwarzen Schlauchkleid
Ich erinnere mich an den Arme-Leute-Sarg und den ärmlichen Blumenschmuck
Ich versuche, mich an das Gesicht dessen zu erinnern, der in dem Sarg liegt
Ich erinnere mich des Kaffs, in dem er und ich unsere Kindheit verbrachten
Ich erinnere mich der Sommertage im Moor vor 50 Jahren
Ich erinnere mich der blau schimmernden Libellen über den Moorlöchern
Ich erinnere mich, wie wir Kilometer um Kilometer über Wiesen und Felder rannten, um das Modellflugzeuges meines Freundes zu bergen

Bernd Bergander



…und Action!
September 13, 2007, 7:50 Uhr nachmittags
Gespeichert unter: Uncategorized

Den Schritt wagen
ins Abenteuer Leben
lachend
wie ein Kind
das Pfützen durchspringt
Barbara Volk



Selbstbetrachtung
September 3, 2007, 12:50 Uhr nachmittags
Gespeichert unter: Selbstportrait, Uncategorized

Heute bin ich
die ich bin
vielschichtig
hintergründig
rätselhaft
eine moderne Mona Lisa
mir selber fremd
im Ungleichgewicht
zwischen dem unterdrückten Herzen
und dem dominanten Verstand
Ob morgen aber
das Bild noch stimmt
wenn mein Innerstes
sich nach Außen kehrte
und die Äußerlichkeiten
sich dem Druck
des Wandels beugten
ist Teil des Geheimnisses
das Leben heißt
Ich suche die Antwort
doch am meisten mich

17.06.2007
Barbara Volk



Odysseus an Ithakas Gestaden
September 3, 2007, 12:48 Uhr nachmittags
Gespeichert unter: Sestine, Uncategorized

 Mein Blick schweift über die Berge hinter dem ausgestreckten Meer
glitzernd brechen sich die letzten Strahlen der versinkenden Sonne
in der kabbeligen Dünung, Mittsommernachtszauber
Das goldene Zwielicht neckt die Sinne, lockt Auge und Ohr
dazu diese Stille, ein Innehalten aller Strömungen der Zeit
in der Zwischenwelt des Gestern und Morgen

Es verschlang unbarmherzig die Zeit
20 Jahre von meinem Morgen
Krieg, Tod und Götterzorn verdunkelten die Sonne
blendeten mein Auge, verschlossen mein Ohr
trieben mich ruhelos über Land und Meer
und beinahe vergaß ich Penelopes Zauber

Nun öffne ich weit Auge und Ohr
tauche ein in meiner Gefühle Meer
ein williger Sklave der schläfrigen Spätabendsonne
verleugne Raum und Zeit
traue dem Jetzt-Zauber
und verschiebe jeden Gedanken an morgen

Ich küsse die Zeit
wie die Welle das Meer
unterwerfe mich ihrem Zauber
als Kind der Sonne
ganz Auge und Ohr
ohne Angst vor dem Morgen

Mein Glaube an den Zauber
ist wie ein stetes Rauschen der Zeit
in der Muschel am inneren Ohr
flüstert Mythen von gestern und morgen
über den Sieg der wiederkehrenden Sonne
wenn sie aufsteigt im Osten aus dem Meer

Schenk mir Dein Auge, leih mir dein Ohr
denn wisse, schon morgen
nach einer kurzen Spanne Zeit
erhebt sich das Licht der Sonne
gleich meiner Zukunft aus Schaum und Meer
wie einst der Aphrodite Zauber

Den Sonnenzauber bedeckt die Dunkelzeit
das Meer schließt nun wie ich sein Aug und Ohr
um morgen hellwach dem neuen Tag entgegenzuströmen.

08.07.07
Barbara Volk



Vater
September 3, 2007, 12:47 Uhr nachmittags
Gespeichert unter: Familiengedichte, Uncategorized

Ich kenn Dich nicht
Und werd Dich nie kennen.

Wären wir Freunde geworden
Wir werden es nie wissen

Ich hab Dich nie vermisst
Und hoff Du mich auch nicht

So gehen wir unsres Weges
Jeder still und allein für sich

Sollten wir uns einmal treffen
Werden wir uns nicht kennen

Dies sind meine Erinnerungen an Dich
Vielleicht nicht viel, doch genug für mich.

Niklas Stepper



Aufbruch
September 3, 2007, 12:31 Uhr nachmittags
Gespeichert unter: Sestine, Uncategorized

Der Umzug steht vor der Tür
Die Kisten stapeln sich im Raum
Bald heißt es freudig lebe wohl
Es geht hinaus in die weite Welt
Australien ist der Reise Ziel
Doch bleiben viele Träume auch zurück

Doch der Blick geht nach vorn, nicht zurück
Frohen Mutes schreit ich durch die Tür
In Richtung meines größten Wunsches Ziel
Wenn gleich auch Wehmut füllt den Raum
Doch das ist der Zwiespalt dieser Welt
Nicht alles Gute tut immer auch wohl

Doch egal, ob es gut ist für mein Wohl
Es geht los und es gibt kein zurück
Sie ruft nach mir die fremde Welt
Sie winkt, sie pfeift, sie klopft an meine Tür
Es wird bedrohlich eng in diesem Raum
Hinaus, hinaus, welch wunderbares Ziel

Viele gute Wünsche fanden in mir ihr Ziel
Freunde und Verwandte, in Sorge um mein Wohl
Doch für ihre Sorgen hat mein Herz keinen Raum
Alle Bedenken, kaum gehört weiß ich sie zurück
Negativen Gedanken weis ich sofort die Tür
Ihr habt Eure und ich hab meine eigne Welt

Groß ist sie und schön, diese meine Welt
Sie zu erforschen wäre für Euch ein edles Ziel
Doch statt zu forschen klopft ihr nur sanft an die Tür
Wie wollt ihr da erkennen was tut Leid und was tut wohl
Nein, ihr bleibt zu Recht in Eurer Welt zurück
Solltet Ihr es dennoch wagen lass ich gern Euch Raum

Jeder Mensch, er braucht seinen eigenen Raum
Und, ob er will oder nicht, auch seine eigene Welt
Hat man einmal seine Welt entdeckt, gibt´s kein zurück
Und auch keine Angst mehr, egal wie groß das Ziel
Man weiß, man tut alles nur zum eigenen Wohl
Und das Zaudern steht vor verschlossener Tür

So leert sich langsam der Raum, die Möbel fliegen schon zum Ziel
Einmal auf die andere Seite der Welt, wie wird es wohl
Doch will ich dereinst zurück, so find ich auch dort die richtige Tür

Niklas Stepper



Selbstportrait
September 3, 2007, 12:27 Uhr nachmittags
Gespeichert unter: Selbstportrait, Uncategorized

 

Meine Zehen,

Klein wie meine Geduld

 

Meine Waden,

Fest wie mein Glauben

 

Mein Bauch,

Groß wie mein Herz

 

Meine Finger,

Zart wie meine Seele

 

Mein Augen,

Klar wie mein Verstand

 

Meine Haut,

Trocken wie mein Humor

 

Mein Lachen,

Ansteckend wie meine Liebe

 

Mein ganzes Ich,

seltsam wie dieses Gedicht

Niklas Stepper



Profane Teezeremonie
September 3, 2007, 12:25 Uhr nachmittags
Gespeichert unter: Destillierte Gedichte, Uncategorized

Verdammt, schon wieder kreideweiß innenmuss wohl mal wiederentkalkt werdender Wasserkocher.

Schwer liegt mir der Wasserfilter in der Hand

mit lautem Platsch

fällt das Wasser in den Kessel

erst summt es leise

dann schnarcht es

dass der Kessel wackelt.

Neun Holzlöffelchen voll Teeblätter

gebe ich in die gläserne Aufgusskanne

Der Wasserkocher röhrt

wie ein angeschossener Hirsch.

Vorsichtig, um mich nicht zu verbrühen,

gieße ich das brodelnde Wasser

auf die trockenen Blätter.

Der Tee wirbelt auf und

verfärbt das Wasser rostbraun.



Küchenarbeit (frei nach Jacques Prévert)
September 3, 2007, 12:19 Uhr nachmittags
Gespeichert unter: Destillierte Gedichte, Uncategorized

Müll

Und ein roter Spülschwamm

Silberfarbener Griff

Nutellaspuren vom Vortag

Her mit dem roten Spülschwamm!

Unterbauschrank

Spülbecken

Armaturenhebel

Und wo ist der rote Spülschwamm?

Heißes Wasser

Verbrannte Finger

Brandblasen

Aufgequollene Polyestermasse

Und fort ist der rote Spülschwamm.

Bernd Bergander