Vater
Ich kenn Dich nicht
Und werd Dich nie kennen.Wären wir Freunde geworden
Wir werden es nie wissen
Ich hab Dich nie vermisst
Und hoff Du mich auch nicht
So gehen wir unsres Weges
Jeder still und allein für sich
Sollten wir uns einmal treffen
Werden wir uns nicht kennen
Dies sind meine Erinnerungen an Dich
Vielleicht nicht viel, doch genug für mich.
-Niklas Stepper
Erinnerung II
Ich erinnere mich der schwülen Julihitze
Ich erinnere mich an die ungeduldigen Menschen im Zug
Ich erinnere mich, wie ich in der Zugtoilette meine Reisekleidung gegen einen dunklen Anzug vertauschte
Ich erinnere mich an die hektische Taxifahrt zum Friedhof
Ich erinnere mich an das jämmerliche Gejaule der elektrischen Orgel
Ich erinnere mich des gabelschwänzigen Milans, der über den Gräbern kreiste
Ich erinnere mich der Witwe im hüfthoch geschlitzten schwarzen Schlauchkleid
Ich erinnere mich an den Arme-Leute-Sarg und den ärmlichen Blumenschmuck
Ich versuche, mich an das Gesicht dessen zu erinnern, der in dem Sarg liegt
Ich erinnere mich des Kaffs, in dem er und ich unsere Kindheit verbrachten
Ich erinnere mich der Sommertage im Moor vor 50 Jahren
Ich erinnere mich der blau schimmernden Libellen über den Moorlöchern
Ich erinnere mich, wie wir Kilometer um Kilometer über Wiesen und Felder rannten, um das Modellflugzeuges meines Freundes zu bergen
Bernd Bergander
…und Action!
September 13, 2007, 7:50 Uhr nachmittags
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Den Schritt wagen
ins Abenteuer Leben
lachend
wie ein Kind
das Pfützen durchspringt
Barbara Volk
Selbstbetrachtung
Heute bin ich
die ich bin
vielschichtig
hintergründig
rätselhaft
eine moderne Mona Lisa
mir selber fremd
im Ungleichgewicht
zwischen dem unterdrückten Herzen
und dem dominanten Verstand
Ob morgen aber
das Bild noch stimmt
wenn mein Innerstes
sich nach Außen kehrte
und die Äußerlichkeiten
sich dem Druck
des Wandels beugten
ist Teil des Geheimnisses
das Leben heißt
Ich suche die Antwort
doch am meisten mich
17.06.2007
Barbara Volk
Odysseus an Ithakas Gestaden
Mein Blick schweift über die Berge hinter dem ausgestreckten Meer
glitzernd brechen sich die letzten Strahlen der versinkenden Sonne
in der kabbeligen Dünung, Mittsommernachtszauber
Das goldene Zwielicht neckt die Sinne, lockt Auge und Ohr
dazu diese Stille, ein Innehalten aller Strömungen der Zeit
in der Zwischenwelt des Gestern und Morgen
Es verschlang unbarmherzig die Zeit
20 Jahre von meinem Morgen
Krieg, Tod und Götterzorn verdunkelten die Sonne
blendeten mein Auge, verschlossen mein Ohr
trieben mich ruhelos über Land und Meer
und beinahe vergaß ich Penelopes Zauber
Nun öffne ich weit Auge und Ohr
tauche ein in meiner Gefühle Meer
ein williger Sklave der schläfrigen Spätabendsonne
verleugne Raum und Zeit
traue dem Jetzt-Zauber
und verschiebe jeden Gedanken an morgen
Ich küsse die Zeit
wie die Welle das Meer
unterwerfe mich ihrem Zauber
als Kind der Sonne
ganz Auge und Ohr
ohne Angst vor dem Morgen
Mein Glaube an den Zauber
ist wie ein stetes Rauschen der Zeit
in der Muschel am inneren Ohr
flüstert Mythen von gestern und morgen
über den Sieg der wiederkehrenden Sonne
wenn sie aufsteigt im Osten aus dem Meer
Schenk mir Dein Auge, leih mir dein Ohr
denn wisse, schon morgen
nach einer kurzen Spanne Zeit
erhebt sich das Licht der Sonne
gleich meiner Zukunft aus Schaum und Meer
wie einst der Aphrodite Zauber
Den Sonnenzauber bedeckt die Dunkelzeit
das Meer schließt nun wie ich sein Aug und Ohr
um morgen hellwach dem neuen Tag entgegenzuströmen.
08.07.07
Barbara Volk
Vater
Ich kenn Dich nicht
Und werd Dich nie kennen.
Wären wir Freunde geworden
Wir werden es nie wissen
Ich hab Dich nie vermisst
Und hoff Du mich auch nicht
So gehen wir unsres Weges
Jeder still und allein für sich
Sollten wir uns einmal treffen
Werden wir uns nicht kennen
Dies sind meine Erinnerungen an Dich
Vielleicht nicht viel, doch genug für mich.
Niklas Stepper
Aufbruch
Der Umzug steht vor der Tür
Die Kisten stapeln sich im Raum
Bald heißt es freudig lebe wohl
Es geht hinaus in die weite Welt
Australien ist der Reise Ziel
Doch bleiben viele Träume auch zurück
Doch der Blick geht nach vorn, nicht zurück
Frohen Mutes schreit ich durch die Tür
In Richtung meines größten Wunsches Ziel
Wenn gleich auch Wehmut füllt den Raum
Doch das ist der Zwiespalt dieser Welt
Nicht alles Gute tut immer auch wohl
Doch egal, ob es gut ist für mein Wohl
Es geht los und es gibt kein zurück
Sie ruft nach mir die fremde Welt
Sie winkt, sie pfeift, sie klopft an meine Tür
Es wird bedrohlich eng in diesem Raum
Hinaus, hinaus, welch wunderbares Ziel
Viele gute Wünsche fanden in mir ihr Ziel
Freunde und Verwandte, in Sorge um mein Wohl
Doch für ihre Sorgen hat mein Herz keinen Raum
Alle Bedenken, kaum gehört weiß ich sie zurück
Negativen Gedanken weis ich sofort die Tür
Ihr habt Eure und ich hab meine eigne Welt
Groß ist sie und schön, diese meine Welt
Sie zu erforschen wäre für Euch ein edles Ziel
Doch statt zu forschen klopft ihr nur sanft an die Tür
Wie wollt ihr da erkennen was tut Leid und was tut wohl
Nein, ihr bleibt zu Recht in Eurer Welt zurück
Solltet Ihr es dennoch wagen lass ich gern Euch Raum
Jeder Mensch, er braucht seinen eigenen Raum
Und, ob er will oder nicht, auch seine eigene Welt
Hat man einmal seine Welt entdeckt, gibt´s kein zurück
Und auch keine Angst mehr, egal wie groß das Ziel
Man weiß, man tut alles nur zum eigenen Wohl
Und das Zaudern steht vor verschlossener Tür
So leert sich langsam der Raum, die Möbel fliegen schon zum Ziel
Einmal auf die andere Seite der Welt, wie wird es wohl
Doch will ich dereinst zurück, so find ich auch dort die richtige Tür
Niklas Stepper
Selbstportrait
Meine Zehen,
Klein wie meine Geduld
Meine Waden,
Fest wie mein Glauben
Mein Bauch,
Groß wie mein Herz
Meine Finger,
Zart wie meine Seele
Mein Augen,
Klar wie mein Verstand
Meine Haut,
Trocken wie mein Humor
Mein Lachen,
Ansteckend wie meine Liebe
Mein ganzes Ich,
seltsam wie dieses Gedicht
Niklas Stepper
Profane Teezeremonie
Verdammt, schon wieder kreideweiß innenmuss wohl mal wiederentkalkt werdender Wasserkocher.
Schwer liegt mir der Wasserfilter in der Hand
mit lautem Platsch
fällt das Wasser in den Kessel
erst summt es leise
dann schnarcht es
dass der Kessel wackelt.
Neun Holzlöffelchen voll Teeblätter
gebe ich in die gläserne Aufgusskanne
Der Wasserkocher röhrt
wie ein angeschossener Hirsch.
Vorsichtig, um mich nicht zu verbrühen,
gieße ich das brodelnde Wasser
auf die trockenen Blätter.
Der Tee wirbelt auf und
verfärbt das Wasser rostbraun.
Küchenarbeit (frei nach Jacques Prévert)
Müll
Und ein roter Spülschwamm
Silberfarbener Griff
Nutellaspuren vom Vortag
Her mit dem roten Spülschwamm!
Unterbauschrank
Spülbecken
Armaturenhebel
Und wo ist der rote Spülschwamm?
Heißes Wasser
Verbrannte Finger
Brandblasen
Aufgequollene Polyestermasse
Und fort ist der rote Spülschwamm.
Bernd Bergander