Gedichte des VHS München Kurses


Gedicht von Joe Brainard zum Weiterdichten
März 28, 2006, 9:20
Gespeichert unter: Ich erinnere mich-Gedichte

Ich erinnere mich
von Joe Brainard

Ich erinnere mich an das einzige Mal, dass ich meine Mutter weinen sah. Und ich Aprikosenkuchen aß.

Ich erinnere mich an einen sehr armen Jungen, der die Blusen seiner Schwester tragen musste, wenn er in die Schule ging.

Ich erinnere mich an einen heißen Sommertag, an dem ich Eiswürfel in mein Aquarium warf und alle Fische starben.

Ich erinnere mich an meine ersten Erektionen. Ich dachte, ich hätte eine fürchterliche Krankheit.

Ich erinnere mich an sehr alte Menschen, als ich sehr jung war. Ihre Häuser rochen komisch.

Ich erinnere mich daran, wie mein Vater sagte: „Lass deine Hände über der Bettdecke“, wenn er „Gute Nacht“ sagte. Aber er hat es nett gesagt.

Ich erinnere mich daran, sich in die Hand zu niesen und dann an das Problem, was man damit „tun” sollte.

Ich erinnere mich, wie ich dachte, dass Polizisten jeden einsperren würden, der etwas Böses tut.
Und das war im naiven 1969 geschrieben.

Ich erinnere mich an die Zeit, als Kinderlähmung das Schlimmste auf der Welt war.


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