Wie es mit meiner Schreiberfahrung steht?
Also, schreiben tue ich, solange ich denken kann,
Gedichte, Novellen, Romane und jede Sorte Theaterstücke
füllen Garage, Speicher und Keller,
mindestens 10.000 dicht beschriebene Seiten.
Schon am ersten Schultag überraschte ich den Lehrer
mit einem selbstgedichteten Lied,
die Weise hatte ich natürlich auch komponiert.
Die Eltern der Erstklässler wollten sieben Da capos.
Zum Abitur war die Premiere meiner philosophischen Farce
„Jean-Paul Sartre kauft bei Carl und August Brenninkmeyer
ein Dutzend Unterhosen“.
Der große Monolog des Sartre, ob er nun welche mit oder ohne Eingriff
nehmen soll und sich schließlich für halb und halb entscheidet,
obwohl seine Simone ihn in Hemdhosen am liebsten hatte,
und der heftige Streit zwischen Sartre und August im dritten Akt,
wo es um das Klassenbewusstsein der Änderungsschneider geht:
Sie, ich sage Ihnen, da hätte Shakespeare mir auf die Schulter geklopft,
und Bertolt Brecht rotiert im Grabe vor Neid.
Ohne sieben Gedichte geschrieben zu haben,
gehe ich nicht zu Bett.
Daktylus und Jambus,
Tetrameter, Pentameter, Hexameter,
für mich alles bloß Fingerübungen,
und Sonette verschenke ich
anstelle von Blumen.
Kein Genre des Romans ist mir fremd.
Meine historischen Epen
– alle penibelst recherchiert –
spielen im Mesozän und in der Steinzeit,
in meinen politischen Krimis
reiße ich den Großen der Welt die Maske vom Gesicht.
Weiße Riesen küsse ich,
durch Schwarze Löcher stürze ich
In meinen Fiction Romanen.
Meine Pornos zahlt die Krankenkasse
bei Libidostörungen.
Warum kein Verlag mich druckt?
Ach, Sie wissen doch,
die wollen alle bloß mainstream.
Warum ich in Ihren Kurs komme?
Nu, damit Sie mich reif machen für den Nobelpreis.
Bernd Bergander, 11. März 2006
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