Gedichte des VHS München Kurses


Vater
September 13, 2007, 8:02
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Ich kenn Dich nicht
Und werd Dich nie kennen.Wären wir Freunde geworden
Wir werden es nie wissen

Ich hab Dich nie vermisst
Und hoff Du mich auch nicht

So gehen wir unsres Weges
Jeder still und allein für sich

Sollten wir uns einmal treffen
Werden wir uns nicht kennen

Dies sind meine Erinnerungen an Dich
Vielleicht nicht viel, doch genug für mich.

-Niklas Stepper



Vater
September 3, 2007, 12:47
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Ich kenn Dich nicht
Und werd Dich nie kennen.

Wären wir Freunde geworden
Wir werden es nie wissen

Ich hab Dich nie vermisst
Und hoff Du mich auch nicht

So gehen wir unsres Weges
Jeder still und allein für sich

Sollten wir uns einmal treffen
Werden wir uns nicht kennen

Dies sind meine Erinnerungen an Dich
Vielleicht nicht viel, doch genug für mich.

Niklas Stepper



Abfahrt nach Paris, Anfang Mai 1967
September 3, 2007, 12:13
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Eine durchwachte Nacht in den Knochen.

Geschrieben, gestritten, Koffer gepackt.

Norddeutsche Schwüle, Dieselqualm über dem Bahnsteig.

Die vieltürmige Stadt bleibt langsam zurück.

Augen zu, ins Nichts fallen, einfach weg.

Hannover Hauptbahnhof:

Raus auf den Bahnsteig mit Sack und Pack.

Da stehen sie, er zwei Köpfe größer als sie

und drei Schritt zurück, verkniffen lächelnd.

Sie tritt zu mir und reicht mir eine braune Tüte mit etwas darin.

„Das habe dir mitgebracht, damit du auf Reisen an deine Mutter denkst.“

„Ich danke dir, aber bitte, bedenke: Ich bin jetzt vierzehn Stunden im Zug;

Weintrauben sind da nicht das Richtige, du kannst dir denken, warum.“

„Aber ich meine es doch gut und möchte dir gern eine Freude bereiten.“

„Und welche Freude hättest du an Bauchweh und Durchfall?“

Schweigen, Kauen an der Unterlippe, Blick ins Leere.

„Aber du isst doch sonst so gerne Weintrauben!“

„Mutter! Vierzehn Stunden im Zug! Da wäre Schokolade doch besser!

Du weißt, ich esse am liebsten die Siebzigprozentige.“

Die Tüte in der Rechten, versucht sie, mich zu umarmen.

„Nun mach´ deiner Mutter doch auch mal ´ne Freude und nimm sie an!“

Sie wischt sich eine Träne von der Wange.

Lautsprecher plärren:

Der Zug von Warschau nach Paris über Brüssel…

Vorsicht am Bahnsteig sieben.

Bremsenquietschen, Türenklappen; Stimmengewirr.

Anderes ist jetzt wichtiger als Weintrauben oder nicht Weintrauben.

Zwei Koffer wuchte ich hoch; was, zum Teufel,

schleppe ich nur mit mir quer durch Europa?

Lange krusche ich im Abteil herum

und springe zurück auf den Bahnsteig.

„Nun zier´ dich nicht länger und nimm schon die Trauben!

Oder willst du deine Mutter mal wieder enttäuschen?“

Mit gestreckten Armen hält sie mir die Tüte entgegen

Und dreht bei dieser Geste die Augen gen Himmel

Wie die heil´ge Katherina von Alexandria,

als ihr der Henker die Brüste abreißt.

Mein Vater zischt mir ins Ohr:„Nun nimm doch endlich die Trauben!

Du kannst sie im Zuge ja später durchs Lokus werfen.“

(Damals hatten Zugtoiletten noch offene Fallrohre.)

Der Lautsprecher krächzt: Zum Zug nach Paris…

Einsteigen, bitte, die Türen schließen!

Ich klett´re in den Wagen, trete ans offene Fenster,

und bedanke mich für den Abschied.

Der Zug ruckt an.

Meine Mutter weint in die braune Papiertüte hinein.

Bernd Bergander