Gedichte des VHS München Kurses


Sonett an den Whisky
April 10, 2006, 9:38
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Von ärmlicher Krume zerfall´nen Gesteins,
gemälzt, gedarrt über Feuer und Rauch,
vermaischt, vergoren; in des Still Pots Bauch
die Gerste mutiert zum Geiste des Weins.

Und Fässer aus Eiche, die Jahre lang Weine
aus Spaniens Süden und Westen bargen,
geben dem Gerstensud Düfte und Farben,
die jenen des Meeres und Winds sich vereinen.

In der Nase die blühenden Heiden von Islay,
am Gaumen die feuchtmilden Sommer des Spey
vertreiben den Blues und die Grillen.

Mir rauschen zu Kopf und die Kehle hinab
Wärme und herbe Süße; sie reißen mir ab
das Joch der Vernunft und des Willens.

Bernd Bergander,  6. April 2006



Lyrischer Blues
April 10, 2006, 8:45
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Ich sitz vor einem leeren Blatt,
das sich mit keinem Wort vereint.
Die Leere wurde mir zum Feind,
der mich zutiefst verwundet hat.

Ich schmolle, knülle das Papier,
und geb’ mich gar nicht mehr kokett.
Wie schreibt man nur so ein Sonett
am Morgen zwischen drei und vier?

Die Zeit vergeht, die Stunden eilen
und nur ein Satz steht auf den Zeilen
in schwarzen Lettern dick und fett.
Ein Gruß von Shakespeare in der Tat.
Er schreibt mir diesen guten Rat:
"Versuch dich nie mehr am Sonett!"

Barbara Volk