Gedichte des VHS München Kurses


Januar 27, 2009, 3:41
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                 Kinderspiel

(Streitkonzert)

 

Glühende Wangen und bangende Herzen,

schwarz glänzt der Flügel dort oben im Frack.

Kinderhände, die fliegen behende,

flatternde Finger geläufig im Takt.

 

Wer wird der erste sein?

 

Holz übernimmt und wechselt die Saiten,

springende Bögen zum Zerreißen gespannt.

Anschlag auf Anschlag in perlenden Läufen,

saitenverkehrt widerspricht jetzt der Baß.

 

Wer wird der nächste sein?

 

Fiebrige Augen und redliche Rührung,

fließende Töne verschleiern den Blick.

Saite trifft Taste des geladenen Flügels,

und in der Tiefe bedrohlich der Baß.

 

Wer lässt sich darauf ein?

 

Taste gibt kontra, und Saite letztendlich

zeigt sich d`accord, und geht spielend drauf ein.

Stein fällt geräuschlos von kindlichen Herzen,

Riesenapplaus, und Mozart sei Dank.

 

Ulrike Brandl



Januar 27, 2009, 3:37
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Momentaufnahmen

 

 

Ein Blatt hängt am Baum,

leistet Widerstand – bis jetzt.

Doch der Sturm bläst stark.

Er reißt es brutal mit sich.

Ciao, letzter Sommerzeuge.

 

Die U-Bahn fährt ein,

spuckt die Menschenmassen aus

und nimmt neue auf.

Dann geht es weiter – nach Plan.

Der Tunnel frisst das Rücklicht.

 

Die Lichterkette glüht.

Lebkuchen locken – „Kauf mich“.

„Stille Nacht“ flüchtet

aus der Hektik des Kommerz

in den Tod des Vergessens.

 

 

23.11.2008                  Barbara Volk



Januar 27, 2009, 3:34
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Die Brieffreundin zu Besuch

 

Isch bin eine kleine, arme Französin

Isch will in Deine Arme fallen, aber nur, wenn Du ein echter Mann bist.

Hörst Du,

wie bemüht isch Dir meine Zerbrechlichkeit zeige?

Siehst Du,

wie angestrengt isch Dir glauben mache, dass isch schwach bin?

Fühlst Du,

wie leidenschaftlich isch Deinen Stolz umspüle?

Ergib Disch endlich

oder

Du erlebst die große Furie

in der kleinen Französin.

 

Mechthild Zeller



Vater
September 13, 2007, 8:02
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Ich kenn Dich nicht
Und werd Dich nie kennen.Wären wir Freunde geworden
Wir werden es nie wissen

Ich hab Dich nie vermisst
Und hoff Du mich auch nicht

So gehen wir unsres Weges
Jeder still und allein für sich

Sollten wir uns einmal treffen
Werden wir uns nicht kennen

Dies sind meine Erinnerungen an Dich
Vielleicht nicht viel, doch genug für mich.

-Niklas Stepper



Erinnerung II
September 13, 2007, 7:56
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Ich erinnere mich der schwülen Julihitze
Ich erinnere mich an die ungeduldigen Menschen im Zug
Ich erinnere mich, wie ich in der Zugtoilette meine Reisekleidung gegen einen dunklen Anzug vertauschte
Ich erinnere mich an die hektische Taxifahrt zum Friedhof
Ich erinnere mich an das jämmerliche Gejaule der elektrischen Orgel
Ich erinnere mich des gabelschwänzigen Milans, der über den Gräbern kreiste
Ich erinnere mich der Witwe im hüfthoch geschlitzten schwarzen Schlauchkleid
Ich erinnere mich an den Arme-Leute-Sarg und den ärmlichen Blumenschmuck
Ich versuche, mich an das Gesicht dessen zu erinnern, der in dem Sarg liegt
Ich erinnere mich des Kaffs, in dem er und ich unsere Kindheit verbrachten
Ich erinnere mich der Sommertage im Moor vor 50 Jahren
Ich erinnere mich der blau schimmernden Libellen über den Moorlöchern
Ich erinnere mich, wie wir Kilometer um Kilometer über Wiesen und Felder rannten, um das Modellflugzeuges meines Freundes zu bergen

Bernd Bergander



…und Action!
September 13, 2007, 7:50
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Den Schritt wagen
ins Abenteuer Leben
lachend
wie ein Kind
das Pfützen durchspringt
Barbara Volk



Selbstbetrachtung
September 3, 2007, 12:50
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Heute bin ich
die ich bin
vielschichtig
hintergründig
rätselhaft
eine moderne Mona Lisa
mir selber fremd
im Ungleichgewicht
zwischen dem unterdrückten Herzen
und dem dominanten Verstand
Ob morgen aber
das Bild noch stimmt
wenn mein Innerstes
sich nach Außen kehrte
und die Äußerlichkeiten
sich dem Druck
des Wandels beugten
ist Teil des Geheimnisses
das Leben heißt
Ich suche die Antwort
doch am meisten mich

17.06.2007
Barbara Volk



Odysseus an Ithakas Gestaden
September 3, 2007, 12:48
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 Mein Blick schweift über die Berge hinter dem ausgestreckten Meer
glitzernd brechen sich die letzten Strahlen der versinkenden Sonne
in der kabbeligen Dünung, Mittsommernachtszauber
Das goldene Zwielicht neckt die Sinne, lockt Auge und Ohr
dazu diese Stille, ein Innehalten aller Strömungen der Zeit
in der Zwischenwelt des Gestern und Morgen

Es verschlang unbarmherzig die Zeit
20 Jahre von meinem Morgen
Krieg, Tod und Götterzorn verdunkelten die Sonne
blendeten mein Auge, verschlossen mein Ohr
trieben mich ruhelos über Land und Meer
und beinahe vergaß ich Penelopes Zauber

Nun öffne ich weit Auge und Ohr
tauche ein in meiner Gefühle Meer
ein williger Sklave der schläfrigen Spätabendsonne
verleugne Raum und Zeit
traue dem Jetzt-Zauber
und verschiebe jeden Gedanken an morgen

Ich küsse die Zeit
wie die Welle das Meer
unterwerfe mich ihrem Zauber
als Kind der Sonne
ganz Auge und Ohr
ohne Angst vor dem Morgen

Mein Glaube an den Zauber
ist wie ein stetes Rauschen der Zeit
in der Muschel am inneren Ohr
flüstert Mythen von gestern und morgen
über den Sieg der wiederkehrenden Sonne
wenn sie aufsteigt im Osten aus dem Meer

Schenk mir Dein Auge, leih mir dein Ohr
denn wisse, schon morgen
nach einer kurzen Spanne Zeit
erhebt sich das Licht der Sonne
gleich meiner Zukunft aus Schaum und Meer
wie einst der Aphrodite Zauber

Den Sonnenzauber bedeckt die Dunkelzeit
das Meer schließt nun wie ich sein Aug und Ohr
um morgen hellwach dem neuen Tag entgegenzuströmen.

08.07.07
Barbara Volk



Vater
September 3, 2007, 12:47
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Ich kenn Dich nicht
Und werd Dich nie kennen.

Wären wir Freunde geworden
Wir werden es nie wissen

Ich hab Dich nie vermisst
Und hoff Du mich auch nicht

So gehen wir unsres Weges
Jeder still und allein für sich

Sollten wir uns einmal treffen
Werden wir uns nicht kennen

Dies sind meine Erinnerungen an Dich
Vielleicht nicht viel, doch genug für mich.

Niklas Stepper



Aufbruch
September 3, 2007, 12:31
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Der Umzug steht vor der Tür
Die Kisten stapeln sich im Raum
Bald heißt es freudig lebe wohl
Es geht hinaus in die weite Welt
Australien ist der Reise Ziel
Doch bleiben viele Träume auch zurück

Doch der Blick geht nach vorn, nicht zurück
Frohen Mutes schreit ich durch die Tür
In Richtung meines größten Wunsches Ziel
Wenn gleich auch Wehmut füllt den Raum
Doch das ist der Zwiespalt dieser Welt
Nicht alles Gute tut immer auch wohl

Doch egal, ob es gut ist für mein Wohl
Es geht los und es gibt kein zurück
Sie ruft nach mir die fremde Welt
Sie winkt, sie pfeift, sie klopft an meine Tür
Es wird bedrohlich eng in diesem Raum
Hinaus, hinaus, welch wunderbares Ziel

Viele gute Wünsche fanden in mir ihr Ziel
Freunde und Verwandte, in Sorge um mein Wohl
Doch für ihre Sorgen hat mein Herz keinen Raum
Alle Bedenken, kaum gehört weiß ich sie zurück
Negativen Gedanken weis ich sofort die Tür
Ihr habt Eure und ich hab meine eigne Welt

Groß ist sie und schön, diese meine Welt
Sie zu erforschen wäre für Euch ein edles Ziel
Doch statt zu forschen klopft ihr nur sanft an die Tür
Wie wollt ihr da erkennen was tut Leid und was tut wohl
Nein, ihr bleibt zu Recht in Eurer Welt zurück
Solltet Ihr es dennoch wagen lass ich gern Euch Raum

Jeder Mensch, er braucht seinen eigenen Raum
Und, ob er will oder nicht, auch seine eigene Welt
Hat man einmal seine Welt entdeckt, gibt´s kein zurück
Und auch keine Angst mehr, egal wie groß das Ziel
Man weiß, man tut alles nur zum eigenen Wohl
Und das Zaudern steht vor verschlossener Tür

So leert sich langsam der Raum, die Möbel fliegen schon zum Ziel
Einmal auf die andere Seite der Welt, wie wird es wohl
Doch will ich dereinst zurück, so find ich auch dort die richtige Tür

Niklas Stepper