Gedichte des VHS München Kurses


Odysseus an Ithakas Gestaden
September 3, 2007, 12:48
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 Mein Blick schweift über die Berge hinter dem ausgestreckten Meer
glitzernd brechen sich die letzten Strahlen der versinkenden Sonne
in der kabbeligen Dünung, Mittsommernachtszauber
Das goldene Zwielicht neckt die Sinne, lockt Auge und Ohr
dazu diese Stille, ein Innehalten aller Strömungen der Zeit
in der Zwischenwelt des Gestern und Morgen

Es verschlang unbarmherzig die Zeit
20 Jahre von meinem Morgen
Krieg, Tod und Götterzorn verdunkelten die Sonne
blendeten mein Auge, verschlossen mein Ohr
trieben mich ruhelos über Land und Meer
und beinahe vergaß ich Penelopes Zauber

Nun öffne ich weit Auge und Ohr
tauche ein in meiner Gefühle Meer
ein williger Sklave der schläfrigen Spätabendsonne
verleugne Raum und Zeit
traue dem Jetzt-Zauber
und verschiebe jeden Gedanken an morgen

Ich küsse die Zeit
wie die Welle das Meer
unterwerfe mich ihrem Zauber
als Kind der Sonne
ganz Auge und Ohr
ohne Angst vor dem Morgen

Mein Glaube an den Zauber
ist wie ein stetes Rauschen der Zeit
in der Muschel am inneren Ohr
flüstert Mythen von gestern und morgen
über den Sieg der wiederkehrenden Sonne
wenn sie aufsteigt im Osten aus dem Meer

Schenk mir Dein Auge, leih mir dein Ohr
denn wisse, schon morgen
nach einer kurzen Spanne Zeit
erhebt sich das Licht der Sonne
gleich meiner Zukunft aus Schaum und Meer
wie einst der Aphrodite Zauber

Den Sonnenzauber bedeckt die Dunkelzeit
das Meer schließt nun wie ich sein Aug und Ohr
um morgen hellwach dem neuen Tag entgegenzuströmen.

08.07.07
Barbara Volk



Vater
September 3, 2007, 12:47
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Ich kenn Dich nicht
Und werd Dich nie kennen.

Wären wir Freunde geworden
Wir werden es nie wissen

Ich hab Dich nie vermisst
Und hoff Du mich auch nicht

So gehen wir unsres Weges
Jeder still und allein für sich

Sollten wir uns einmal treffen
Werden wir uns nicht kennen

Dies sind meine Erinnerungen an Dich
Vielleicht nicht viel, doch genug für mich.

Niklas Stepper



Aufbruch
September 3, 2007, 12:31
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Der Umzug steht vor der Tür
Die Kisten stapeln sich im Raum
Bald heißt es freudig lebe wohl
Es geht hinaus in die weite Welt
Australien ist der Reise Ziel
Doch bleiben viele Träume auch zurück

Doch der Blick geht nach vorn, nicht zurück
Frohen Mutes schreit ich durch die Tür
In Richtung meines größten Wunsches Ziel
Wenn gleich auch Wehmut füllt den Raum
Doch das ist der Zwiespalt dieser Welt
Nicht alles Gute tut immer auch wohl

Doch egal, ob es gut ist für mein Wohl
Es geht los und es gibt kein zurück
Sie ruft nach mir die fremde Welt
Sie winkt, sie pfeift, sie klopft an meine Tür
Es wird bedrohlich eng in diesem Raum
Hinaus, hinaus, welch wunderbares Ziel

Viele gute Wünsche fanden in mir ihr Ziel
Freunde und Verwandte, in Sorge um mein Wohl
Doch für ihre Sorgen hat mein Herz keinen Raum
Alle Bedenken, kaum gehört weiß ich sie zurück
Negativen Gedanken weis ich sofort die Tür
Ihr habt Eure und ich hab meine eigne Welt

Groß ist sie und schön, diese meine Welt
Sie zu erforschen wäre für Euch ein edles Ziel
Doch statt zu forschen klopft ihr nur sanft an die Tür
Wie wollt ihr da erkennen was tut Leid und was tut wohl
Nein, ihr bleibt zu Recht in Eurer Welt zurück
Solltet Ihr es dennoch wagen lass ich gern Euch Raum

Jeder Mensch, er braucht seinen eigenen Raum
Und, ob er will oder nicht, auch seine eigene Welt
Hat man einmal seine Welt entdeckt, gibt´s kein zurück
Und auch keine Angst mehr, egal wie groß das Ziel
Man weiß, man tut alles nur zum eigenen Wohl
Und das Zaudern steht vor verschlossener Tür

So leert sich langsam der Raum, die Möbel fliegen schon zum Ziel
Einmal auf die andere Seite der Welt, wie wird es wohl
Doch will ich dereinst zurück, so find ich auch dort die richtige Tür

Niklas Stepper



Selbstportrait
September 3, 2007, 12:27
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Meine Zehen,

Klein wie meine Geduld

 

Meine Waden,

Fest wie mein Glauben

 

Mein Bauch,

Groß wie mein Herz

 

Meine Finger,

Zart wie meine Seele

 

Mein Augen,

Klar wie mein Verstand

 

Meine Haut,

Trocken wie mein Humor

 

Mein Lachen,

Ansteckend wie meine Liebe

 

Mein ganzes Ich,

seltsam wie dieses Gedicht

Niklas Stepper



Profane Teezeremonie
September 3, 2007, 12:25
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Verdammt, schon wieder kreideweiß innenmuss wohl mal wiederentkalkt werdender Wasserkocher.

Schwer liegt mir der Wasserfilter in der Hand

mit lautem Platsch

fällt das Wasser in den Kessel

erst summt es leise

dann schnarcht es

dass der Kessel wackelt.

Neun Holzlöffelchen voll Teeblätter

gebe ich in die gläserne Aufgusskanne

Der Wasserkocher röhrt

wie ein angeschossener Hirsch.

Vorsichtig, um mich nicht zu verbrühen,

gieße ich das brodelnde Wasser

auf die trockenen Blätter.

Der Tee wirbelt auf und

verfärbt das Wasser rostbraun.



Küchenarbeit (frei nach Jacques Prévert)
September 3, 2007, 12:19
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Müll

Und ein roter Spülschwamm

Silberfarbener Griff

Nutellaspuren vom Vortag

Her mit dem roten Spülschwamm!

Unterbauschrank

Spülbecken

Armaturenhebel

Und wo ist der rote Spülschwamm?

Heißes Wasser

Verbrannte Finger

Brandblasen

Aufgequollene Polyestermasse

Und fort ist der rote Spülschwamm.

Bernd Bergander



Abfahrt nach Paris, Anfang Mai 1967
September 3, 2007, 12:13
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Eine durchwachte Nacht in den Knochen.

Geschrieben, gestritten, Koffer gepackt.

Norddeutsche Schwüle, Dieselqualm über dem Bahnsteig.

Die vieltürmige Stadt bleibt langsam zurück.

Augen zu, ins Nichts fallen, einfach weg.

Hannover Hauptbahnhof:

Raus auf den Bahnsteig mit Sack und Pack.

Da stehen sie, er zwei Köpfe größer als sie

und drei Schritt zurück, verkniffen lächelnd.

Sie tritt zu mir und reicht mir eine braune Tüte mit etwas darin.

„Das habe dir mitgebracht, damit du auf Reisen an deine Mutter denkst.“

„Ich danke dir, aber bitte, bedenke: Ich bin jetzt vierzehn Stunden im Zug;

Weintrauben sind da nicht das Richtige, du kannst dir denken, warum.“

„Aber ich meine es doch gut und möchte dir gern eine Freude bereiten.“

„Und welche Freude hättest du an Bauchweh und Durchfall?“

Schweigen, Kauen an der Unterlippe, Blick ins Leere.

„Aber du isst doch sonst so gerne Weintrauben!“

„Mutter! Vierzehn Stunden im Zug! Da wäre Schokolade doch besser!

Du weißt, ich esse am liebsten die Siebzigprozentige.“

Die Tüte in der Rechten, versucht sie, mich zu umarmen.

„Nun mach´ deiner Mutter doch auch mal ´ne Freude und nimm sie an!“

Sie wischt sich eine Träne von der Wange.

Lautsprecher plärren:

Der Zug von Warschau nach Paris über Brüssel…

Vorsicht am Bahnsteig sieben.

Bremsenquietschen, Türenklappen; Stimmengewirr.

Anderes ist jetzt wichtiger als Weintrauben oder nicht Weintrauben.

Zwei Koffer wuchte ich hoch; was, zum Teufel,

schleppe ich nur mit mir quer durch Europa?

Lange krusche ich im Abteil herum

und springe zurück auf den Bahnsteig.

„Nun zier´ dich nicht länger und nimm schon die Trauben!

Oder willst du deine Mutter mal wieder enttäuschen?“

Mit gestreckten Armen hält sie mir die Tüte entgegen

Und dreht bei dieser Geste die Augen gen Himmel

Wie die heil´ge Katherina von Alexandria,

als ihr der Henker die Brüste abreißt.

Mein Vater zischt mir ins Ohr:„Nun nimm doch endlich die Trauben!

Du kannst sie im Zuge ja später durchs Lokus werfen.“

(Damals hatten Zugtoiletten noch offene Fallrohre.)

Der Lautsprecher krächzt: Zum Zug nach Paris…

Einsteigen, bitte, die Türen schließen!

Ich klett´re in den Wagen, trete ans offene Fenster,

und bedanke mich für den Abschied.

Der Zug ruckt an.

Meine Mutter weint in die braune Papiertüte hinein.

Bernd Bergander



Spiegelbild
September 1, 2007, 1:07
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Ich stehe auf einem Stuhl.

Ich spiegele mich:

dunkle funkelnde Augen

und mit verschmitztem Lachen

posiere ich für mich.

Ich stelle mich auf die Zehenspitzen.

Spiegele ich mich?

Drachenhafte Nasenlöcher

dazu Elefantenohren,

Mutti klebt sie nachts mit Pflaster fest.

   

Ich stehe vor dem Spiegel.

Ich schminke mich:

die Augen viel größer,

die Nase viel kleiner.

Nicht mal die Lippen verkneife ich mir.

  

Ich stehe vor dem Spiegel

und sehe darin:

glanzlose Augen,

gähnende Langeweile.

Ich male mir eine Maske ins Gesicht.

  

Ich stehe vor dem Spiegel.

Ich starre hinein:

Zornesfalte auf der Stirn,

Krähenfüße um die Augen.

Das Kinn flieht.

  

Ich beuge mich über den Spiegel.

Endlich erkenne ich mich:

dunkle funkelnde Augen

und mit verschmitztem Lachen

 posiere ich für mich.

Damaris Bennemann



Entspannung
September 1, 2007, 12:58
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Menschen fassen Menschen an,

bekannte Objekte.

Ich kann sehr gut Menschen anfassen.

Lieblingsmasseurin schon als Kind,

Tochter hilft Mutti.

Meine Finger tragen die Entspannung auch in meinen Körper.

Arme, Schultern, Rücken,

leidende Patienten.

Krankenschwestern helfen effektiv.

Fühlen, anfassen, spüren,

innerlich und äußerlich

alle Knoten lösen.

Freund und Freundin im Gleichklang,

Glückshormone strömen.

Darüber wollen wir jetzt doch nicht sprechen.  

Damaris Bennemann



Fern ab rückt die Zeit, da Geist und Seelen – Die Lebenslustreise
September 1, 2007, 12:54
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 Fern ab rückt die Zeit, da Geist und Seelen

Verirrte verlorne Gefangene sind;

Selbst die als sie vor Liebe blind.

Der Mensch als sein Kind verzehrt vom Sehnen

Befriedet sich selbst als Anker find.

Von weit her winden sich schwächlich nur

Fäulnisgerüche des schuldigen Zweifels

Benebelnd wo lachende Sonne pur;

Aber es schlägt die Stunde des Reifens,

Das Ichkind lernt dem Nächsten verzeihen,

Vor allem sich selbst damit zu befreien;

Für Liebeswunder frei zu sein,

Auch Dich läd das Glück gern dazu ein.

Schaue zurück zu Deinem LebenUm es Dir selbst erneut zu geben.

Schau Freude, Hoffnung und Pein;

Was war, was ist und was wird sein?

Du selbst bist Deines Lebens Held:

Der Schöpfer Deiner ureigendsten Welt;

Die Andern sind nur die Statisten:

In Deines Daseins Nebenrollen,

Im Hauptfilm sie ihr Leben fristen,

Tun Dir weh ohne es zu wollen.

Du bist nicht schuld wenn sie erbeben!

Eure Welten überschneiden sich,

Wir sind im Film mit unsrem Ich.

Fühl nur fühl! wie der Fluss, das Leben

Dich durch Wiesen und Sümpfe treibt;

Wie das Meer, das göttlich Wesen

Sanft in Dich dringt und ewig um Dich bleibt;

In seiner Fülle nicht zu fassen

Trägt es uns seine Hilfe an,

Darf ich draus schöpfen und dort lassen,

Was ich selbst nicht halten kann.

Ach lass uns auf den Welten reiten,

Berauschen uns an den Gezeiten!

Wen kümmert unser Schmerz, das Leid.

Sie küsst uns: die Glücksseeligkeit!  

Damaris Bennemann